3 275
Frage mehr, der Schatz war wirklich da, wer würde ſich ſolche Mühe gegeben haben, um einen leeren Koffer zu verbergen?
Schnell ſchritt die Arbeit nun vor und bald wurde Dantes das Schloß in der Mitte, an deſſen beiden Seiten noch Vorhänge⸗ ſchlöſer angelegt waren, und die Handhaben an den Seiten gewahr. Alles war ciſelirt nach der Sitte jener Zeit, wo durch mühſame und künſtliche Verarbeitung der Werth der geringſten Metalle mehr als verdoppelt wurde. Dantes verſuchte vergebens, den Koffer zu heben oder zu öffnen. Die drei Schlöſſer ſchienen als treue Hüter den Schatz nicht Preis geben zu wollen. Er trieb die ſcharfe Seite ſeiner Hacke zwiſchen die Fugen des Deckels und derſelbe ſprang nach einiger Anſtrengung krachend auf. Eine breite Oeffnung der Breter machte die Schlöſſer überflüſſig, die immer noch den Deckel mit dem Koffer zuſammenhaltend, nutzlos niederfielen. Der Koffer war offen.
Ein fieberhafter Schwindel befiel Dantes; er ergriff ſeine Büchſe und ſtellte ſie neben ſich. Erſt ſchloß er die Augen, wie die Kinder, wenn ſie in der belebten Nacht ihrer Phantaſie mehr Sterne ſehen wollen, als der geſtirnte Himmel ihnen zeigt; dann öffnete er ſie wieder und ſtand geblendet.
Der Koffer war in drei Abtheilungen getheilt: aus der erſten glänzten in der falben Beleuchtung ihm Goldthaler entgegen; in der zweiten befanden ſich ſchlecht polirte, aber ſorgſam eingepackte Barren, welche nur den Werth und das Gewicht des Goldes hatten; in der dritten endlich, die nur halb gefüllt war, konnte Edmond in Diamanten, Perlen und Rubinen wühlen, die, wenn er ſie durch die Finger laufen ließ, in glänzenden Cascaden niederfallend, einen Klang hervorbrachten, wie wenn Hagel auf Glasſcheiben fällt.
Nachdem Edmond lange mit ſeinen zitternden, brennenden Händen in ſeinen Schätzen gewühlt hatte, ſprang er auf und lief mit einer an Wahnſinn grenzenden Aufregung in der Höhle umher. Dann eilte er hinaus und erkletterte einen Felſen, von dem er das Meer bis dicht an das Ufer der Inſel beobachten konnte, doch er er⸗ blickte kein Segel, keine Barke; allein, ganz allein war er mit ſeinen unermeßlichen, unzuberechnenden, märchenhaften Schätzen, die ſein waren. Schlief oder wachte er? War es Traum oder Wirklichkeit?
Er fühlte zu gleicher Zeit das Bedürfniß, ſeinen Reichthum 18*


