Teil eines Werkes 
1 (1870)
Entstehung
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ſich nun auch in ſeine Hängematte; aber ungeachtet der durchwachten

Nacht konnte er keinen Schlaf finden. Zwei Stunden darauf kam er wieder auf das Verdeck, das Schiff war im Begriff die Inſel Elba zu umſegeln. Man war auf der Höhe von Maréciono und

über der flachen und grünen Inſel la Pianoſa. Man ſah den im Morgenlichte glühenden Gipfel von Monte⸗Chriſto in die Bläue des Himmels emporragen. Dantes befahl dem Bootsmanne die Stange an Backbord zu legen, um la Pianoſa rechts zu laſſen; er hatte berechnet, daß dieſes Manöver den Lauf des Fahrzeuges um zwei bis drei Lieues verkürzen würde. Gegen ſünf Uhr Abends hatte man den vollen Anblick der Inſel; die Luft war ſo klar, wie ſie in jenen Gegenden bei Untergang der Sonne gewöhnlich iſt, daß man jeden Gegenſtand unterſcheiden konnte.

Edmond verſchlang mit ſeinen Blicken dieſe Felſenmaſſe, die in allen Tinten der Abenddämmerung, vom lebhafteſten Roth bis zum tiefſten Blau beleuchtet erſchien; von Zeit zu Zeit ſtreifte ein glühender Windſtoß ſein Geſicht, ſeine Stirn färbte ſich dunkelroth, eine Purpurwolke glitt über ſeine Augen. Ein Spieler, deſſen ganze Hoffnung auf dem Umſchlagen eines Blattes beruht, kann nicht die Aufregung empfinden, in welche dieſer Hoffnungsparoxismus Dantes verſetzte. Die Nacht kam. Um zehn Uhr Abends landete

man. Die jeune Amélie war die Erſte, die ankam. Dantes konnte

ungeachtet ſeiner Selbſtbeherrſchung ſich nicht halten; er war der Erſte, der an das Ufer ſprang und hätte gern, wie Brutus die Erde geküßt. Es war nun völlig Nacht; aber um 11 Uhr ſtieg der Mond aus dem Meere empor, und verſilberte jede zitternde Welle deſſelben; dann ergoſſen, je höher er ſtieg, ſeine bleichen Strahlen ſich wie Lichtſchleier über die Felſenmaſſen dieſes zweiten Pélion.

Der Schiffsmannſchaft der jeune Amélie war die Inſel, die

eine ihrer gewöhnlichen Stationen war, nicht fremd. Dantes kannte ſie ihrem äußeren Anſehen nach ſehr genau, indem er ſie bei jeder

ſeiner Reiſen nach der Levante paſſirt hatte, doch hatte er ſie nie⸗ mals betreten. Er fragte nun Jacopo aus.

Wo werden wir dieſe Nacht zubringen?

Nun an Bord.

Thäten wir nicht beſſer in die Höhlen zu gehen?

In welche Höhlen?

-G