Teil eines Werkes 
1 (1870)
Entstehung
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XXIV. Die Inſel Monte⸗Chriſto.

Endlich ſollte alſo nun Dantes durch einen jener unverhofften Glückszufälle, die denen, welche lange unter der Härte des Geſchickes ſeufzten, zuweilen begegnen, ſeinen Zweck auf einem ganz einfachen Wege erreichen und den Fuß auf die Inſel ſetzen, ohne den geringſten Argwohn zu erregen.

Nur eine Nacht noch und die erſehnte Abreiſe ging vor ſich.

Dieſe Nacht brachte Dantes in fieberhafter Aufregung zu. Alle vor⸗

theilhaften und nachtheiligen Zufälle die ſich ereignen konnten, kamen

ihm während derſelben in den Sinn; wenn er die Augen ſchloß, ſah er den Brief des Cardinal Spada mit flammenden Schrift⸗ zügen an der Felſenwand; war er wirklich eingeſchlafen, ſo durch⸗

toſ'ten die tollſten Träume ſein Gehirn; ſie führten ihn in die Höhlen, die mit Smaragden gepflaſtert waren, Wände von Rubinen und ¹ Tropfſteingebilde von Diamanten hatten, von denen Perlen ſtatt

des Waſſers herabtropften. Entzückt füllte Edmond ſeine Taſchen mit Edelſteinen, die ſich, wenn er an das Tageslicht kam, in ge⸗ wöhnliche Kieſelſteine verwandelt hatten; dann wollte er in dieſe wunderbaren Höhlen, von denen er kaum den Eingang betreten hatte, zurückkehren, aber der Weg wand ſich in unendlichen Krümm⸗ ungen; der Eingang war unſichtbar geworden; umſonſt ſuchte er in

ſeinem erſchöpften Gedächtniſſe das magiſche Wort, welches dem

arabiſchen Fiſcher die an unermeßlichen Schätzen reiche Höhle des Ali⸗Baba öffnete. Aber vergebens: der Schatz war verſchwunden, war wieder das Eigenthum der Erdgeiſter geworden, denen ihn zu entreißen er eine Zeitlang gehofft hatte.

Der Tag fand ihn eben ſo fieberhaft, als er während de Nacht geweſen war; aber wachend wußte er ſeine Einbildungskraſt

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