VI. Auflöſung.
Draußen klirrten die Schlöſſer; die Gefangnen fuhren aus ihren Träumen empor. Ein Räuber kam, und for⸗ derte die Novellen, deren Verfaſſer ihm nach einem Saal des Schloſſes folgen mußten. Hier ließ man ſie einen Augenblick allein, doch ſie waren von den abenteuerlichen Ereigniſſen noch zu ſehr erfüllt, und Keiner ſprach ein Wort. Alfred ſtand am Fenſter, es erfriſchte ihn, ſeine brennende Stirn an die kühlen Scheiben zu preſſen. Wie erſtaunt war der Jüngling aber, die Umgebung des Gebäu⸗ des keineswegs ſo wüſt und ſchaurig zu finden, als ſie ihm geſtern in der Dunkelheit erſchienen war. Ein engliſcher Garten mit blühendem Gebüſch, Grasflächen und Laub⸗ holzgruppen breitete ſich aus, ein zahmes Reh wandelte dort, und auf den Zweigen eines Ahorns ſchaukelten ſich etliche Pfauen, deren Argusſchweife, im Strahl der Früh⸗ ſonne, wie Edelſteine ſchimmerten. Eben wollte Alfred ſeinen Gefährten dieſe Entdeckung mittheilen, da rauſchten die Flügelthüren auf, und die Banditenbraut trat herein, geführt vom Fürſten des Waldes... nein, von Bruno! denn er war es— wie meine geübten Leſerinnen ohne Zweifel ſchon längſt errathen haben— der in jener Ver⸗ kleidung ſeine Wette zu gewinnen ſuchte.
— Guten Morgen, Freunde! rief er lachend. Seid mir willkommen in den Mauern meines Eigenthums. Ich habe das Vergnügen, Euch meine Braut, Mathilde von
Brinken, vorzuſtellen.


