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Heitere Novellen / von Eduard Boas
Entstehung
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Kaiſerstochter. Dieſe hatte nicht recht den Muth, ihre Augen emporzuſchlagen, doch die Neugier zwang ſie, ein wenig zu blinzeln, und ſie ſah Rauber während Don Silvano im gold⸗ und perlengeſtickten Sammetgewande prunkte mit einfachem Wamms und bloßen Armen da⸗ ſtehn, wie einen ſteinernen Athleten. Wenn er den Gegner anblickte, funkelte ſein Auge wild, aber wenn es zu Schar⸗ ſeginen hinüberflog, trug es den Ausdruck der zärtlichſten Liebe. Unausſprechliche Wonne durchſchauerte die Jung⸗ frau bei dem Gedanken, daß ihr Geliebter ſiegen werde, und dann folterte ſie wieder die bange Ahnung, der Grande könne Jenen überwinden. Don Silvano war hoch gewach⸗ ſen, ſein Gliederbau hatte wahre Gigantenformen, und wie Wetterleuchten zuckte über ſein Antlitz der Zorn.

Der Herold erſchien; er reichte jedem Streiter einen Sack von ſtarkem Zeuge, der genau die Länge des Gegners hatte, und verließ darauf den Kreis. Jetzt gab Marimilian das Zeichen zum Beginn. Augenblicklich umſchlangen ſich

die Kämpfer mit eiſerner Gewalt, und prüften die Stärke

der Muskeln an einander. Aber Keiner von ihnen wankte nur um ein Haar. Beide ſchienen zu Bildſäulen erſtarrt,

und die Zuſchauer glaubten nicht, daß ſonderliche Anſtren⸗

gung mit dieſer Kraftprobe verbunden ſei, bis ein dunkler

Purpur die Stirnen der Ringer färbte. Wohl nie iſt ein

ähnlicher Kampf geſehen worden. Im Frühſommer des Lebens ſtanden die Ritter, und flammende Begeiſterung ſtählte ihre Glieder, denn ſie erblickten ja Scharſeginen, den köſtlichen Preis des Sieges, in ihrer Nähe.

Wie viel geſchickte Griffe und Biegungen auch verſucht, wie viele ſchlaue Kämpferliſt auch aufgewendet wurde, von