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Heitere Novellen / von Eduard Boas
Entstehung
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Am Marmortiſche, der ganz mit Urkunden überdeckt war, ſtand Kaiſer Marimilian der Zweite in ſeinem Cabinet, bald leſend, bald durch's Fenſter ſchauend. Er beſaß eine hohe, muskulöſe Rittergeſtalt, friſche Lebensluſt ſtrahlte aus ſeinen muntern Augen, und ein dunkelblonder Bart umlockte ihm das Kinn.

Da trat ein Page ein, Don Silvano de Badajoz anmeldend, einen ſpaniſchen Edelmann, der ſeit einiger Zeit am Hofe des Kaiſers verweilte. Marimilian nickte bejahend mit dem Haupt, und nun erſchien der Don, zwar ehr⸗ erbietig, aber immer beſorgt, ſeiner Grandenwürde nichts zu vergeben. Der überflüſſige Putz, den er trug, entſtellte ſeinen Wuchs mehr, als er ihn erhob; aus dem ſcharlach nen Wamms thürmten ſich rieſige weiße Atlaspuffen auf, und der mächtige Spitzenkragen zog einen faſt unüberſeh⸗ baren Wall um ſein Angeſicht. Ueberall flimmerten ſchwere Diamanten an der geſchmackloſen Kleidung, und goldne Gnadenketten bedeckten ihm die Bruſt. Don Silvano über⸗ gab dem Kaiſer zuerſt einen angelegentlichen Empfehlungs⸗ brief ſeines Monarchen, ſprach dann von den hohen Char⸗ gen, von den Reichthümern, deren er ſich erfreute, und hielt endlich um Scharſeginen an.

Marimilian war darüber nicht ſonderlich erſtaunt, denn ſeine Tochter wurde einſtimmig für das ſchönſte Mädchen Deutſchlands erklärt, und von nah und fern kam die Blüthe der Ritterſchaft, um ihre Hand zu erwerben. Eine ganz abweiſende Antwort konnte er Don Silvano nicht geben,

ohne den Spanierkönig zu beleidigen, aber zuſagen mochte

er ihm Scharſeginen eben ſo wenig, denn er war dem Rau ber gut, und wußte wohl, daß derſelbe ihr Herz gewonnen 20