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Heitere Novellen / von Eduard Boas
Entstehung
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Mein Liebchen fein, O komm, erſchein'! Steh auf von deinen Pfühlen!

Die Cither ſchweigt, Der Vorhang ſteigt, Es weichen die Gardinen

Wirklich knarrte bei dieſer Stelle ein Fenſter im obern Geſchoß, und das lieblichſte Mädchenantlitz wurde dort ſichtbar. Unter den blendenden Spitzen eines weißen Häub⸗ chens ſchimmerten blaue Augen und blühende Wangen, wie Veilchen und Tauſendſchön unter Schneeglocken, hervor. Das holde Kind hieß Helene Scharſegine, und war eine natürliche Tochter Kaiſer Marimilian des Zweiten. Sie lächelte, friſch wie der Morgen, zu dem Sänger nie⸗ der, warf ihm eine ſchelmiſche Kußhand, und legte dann, Schweigen gebietend, den Zeigefinger auf ihren Mund. Rauber war entzückt, ſeine Augen funkelten froh, allein dem ſtummen Befehl gehorchte er nicht. Er ſtellte ſich auf die Zehen, als ob er dadurch ihrem Ohre näher kommen wollte, und flüſterte zu ihr empor:Helene, heut will ich Deinen Vater bitten, daß er Dich mir zur Gattin giebt! Voll wunderbarer Freundlichkeit gab das Kaiſerkind ſeine Zuſtimmung kund, und ſchloß vorſichtig das Fenſter, um deſſen Klirren zu verhindern. Rauber ſtand, als die holde Erſcheinung ſchon entſchwunden war, noch eine Weile

regungslos, dann fuhr er mit der Hand über die Stirn,

alle bangen Zweifel fortzuſcheuchen, und ging in ſein Gemach.

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