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Heitere Novellen / von Eduard Boas
Entstehung
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Die Liebe im Sacke. Novellette aus dem ſechszehnten Jahrhundert.

Das Getön der Hüfthörner ſchmetterte durch den Wiener Wald, und rief die Ritter auf Burg Mödling zuſammen, denn die Jagd war aus. Später Abend lag bereits über den Bergen und Forſten, aber die Waidgenoſſen becherten noch lange, und machten ſich erſt zwei Stunden nach Mit⸗ ternacht zur Heimkehr bereit. Unter fröhlichem Geſpräch ritten ſie nach Wien hinab, ſagten einander Lebewohl, und zerſtreuten ſich durch die Straßen.

Auch Baron Rauber, ein jugendlich ſchöner und tapf⸗ rer Ritter, hatte ſich in dem Zuge befunden; er ſtieg jetzt vom Roſſe, nahm ſeine Laute, und ging in den Hof der kaiſerlichen Burg. Schon zog der Morgen mit Goldſchwin⸗ gen herauf, die Giebel des weiten, düſteren Gebäudes mit glühendem Purpur anhauchend. Rauber ſtellte ſich einem abgelegnen Schloßflügel gegenüber, griff in die Saiten der Cither, und ſang mit gedämpfter Stimme ein hübſches Mor⸗ genſtändchen zu den Klängen:

Die Lerche ſchwirrt, Der Tauber girrt, Die Sonne flammt im Oſten; Das braune Reh, Es ſchleicht am See, Den Morgenthau zu koſten.

Die ganze Nacht Hab' ich durchwacht In wechſelnden Gefühlen.