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Heitere Novellen / von Eduard Boas
Entstehung
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Räderwerk öffneten ſich die beiden andern Pforten, und zwei Löwen ſtürzten heraus. Tagelang hatte man ſie hun⸗ gern laſſen, um ihre Wuth auf's Aeußerſte zu ſteigern; die Thiere ſahen mager und gräßlich aus. Kaum witterten ſie Menſchen auf den Galerien, ſo verſuchten ſie, ſich mit Katzenſprüngen emporzuſchnellen; die Mauern waren jedoch zu hoch, zu glatt ihre Krallen hafteten nicht daran. Immer fielen die Löwen wieder hinab, immer furchtbarer wurde ihr Gebrüll, bis ihnen endlich die Zunge aus dem Halſe hing, und ſie ſich einander gegenüber ausſtreckten. Aeußerlich blieben ſie ruhig, aber grün und roth funkelte der Grimm in ihren weithervorquellenden Augen, und ſie lauerten auf den Moment, ſich tödtlich anzugreifen.

Es herrſchte eine Stille auf den Balkonen, daß man jeden Athemzug vernehmen konnte. Erwartungsvoll und zitternd lauſchten Alle den Ereigniſſen, die nun kommen ſollten. Am heftigſten war Schirwana ergriffen, denn die ſchreckliche Gewißheit tauchte in ihr auf, daß ſie entweder den Vater, oder den Geliebten verlieren müſſe.

Da erhob ſich Bacharam⸗Gur, und ſprach mit lauter Stimme: Nun wohlan, Fürſt Keſra, wenn es Dir nicht an Muth gebricht, ſo gehe in den Löwenhof, und nimm die Krone von ihrem Platz!

Ich bin ja durch die freie Wahl des Volkes ſchon im Beſitz des Throns, erwiederte Keſra ruhig, doch Du willſt Dir Dein väterliches Erbe durch eignen Heldenmuth wiedergewinnen. Darum geziemt es Dir, nicht mir, die Königskrone zu holen, und, beim Ormuzd! ich wünſche Dir Glück zu dem gefahrvollen Gang.