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„Der Kronenkampf. Hiſtoriſche Novelle aus dem fünften Jahrhundert.
Tiefe Ruhe lag über Perſiens Hauptſtadt ausgebreitet; Freude glänzte auf allen Geſichtern, doch Niemand ſprach ſie aus. Heute war Jezdejerd, der Tyrann, geſtorben; keine Seele in der unermeßlichen Stadt trauerte um ihn, aber auch keine wagte es, laut zu jubeln, denn man fürch⸗ tete ſich beinahe vor dem Todten noch. Die Natur ſtimmte in dies beklommene Schweigen ein. Graue Wolkenmaſſen,
ſchwefelgelb geſäumt, hingen am Himmel, eine ängſtliche
Schwüle preßte die Luft zuſammen, ohne daß Blitz und Donner das nahe, ſchwere Gewitter verkündete.
Mit langen Kaftanen bekleidet, ſchritten die Räthe feier⸗
lich zum Palaſte hin, um das Wohl des Landes abzuwägen.
Auf einem Hügel ſtand das rieſige Schloß, und dehnte nach allen Seiten ſeine Mauer⸗umringten Höfe, ſeine blü⸗ henden Gärten aus. Dort oben lag, im weiten, düſtern Gemach, auf ſammetbedeckter Bahre, die Leiche Jezdejerd des Erſten, und matt brannten zwölf ſilberne Lampen um⸗ her. Daneben empfing ein Marmorſaal die Rathsverſamm⸗ lung. Bald war derſelbe mit ernſten Perſern angefüllt, ſie ſaßen im Kreiſe, und Ahmed, der Aelteſte von ihnen, nahm das Wort:
— Dank ſei dem höchſten Gotte, daß er das Perſerland von ſeiner böſen Geißel befreit hat, denn Jezdejerd iſt todt, und mit ihm ſoll das Blutbeil begraben werden, das er, ſtatt eines milden Scepters, in Händen trug. Ihr ſeid berufen worden, weiſe Männer, um Euch zu berathen, auf


