Druckschrift 
Heitere Novellen / von Eduard Boas
Entstehung
Einzelbild herunterladen

286

Degen zu ziehn. Blitzend zuckte der gute Stahl durch die Luft, er fuhr in die Bruſt Eines der gedungenen Mörder, doch nun zerſplitterte die Klinge. Königsmark war ohne Waffen, und viele Stiche durchbohrten ihn. Von Blut überſtrömt, ſank er zu Boden, und rief mit matter Stimme:Mein Blut mag Eure Rache kühlen, aber, bei Gott! Sophie iſt ſchuldlos! Nach dieſen Worten hauchte er den letzten Athem aus.

Die ganze Schreckensſcene war mit grauenhafter Stille vollführt worden; alle Bewohner des Schloſſes ſchliefen ruhig fort, nur der alte Kurfürſt und die Gräfin Platen hatten verkleidet dem gräßlichen Schauſpiel beigewohnt. Königsmark's entſtellter Leichnam wurde in eine Kloake geworfen, die man nachher vermauern ließ; die Prinzeſſin Sophie und das Fräulein von Molk aber verhaftete man ſogleich.

Während der ehr⸗ und rechtloſe Mord verübt wurde, befand ſich Sophiens Gatte fern von Hannover bei der Armee. Sein Vater berichtete ihm über das Ganze, als wär' es die wohlverdiente Strafe erwieſener Treuloſigkeit, und Jener billigte die fluchwürdige That. Sogar der Her⸗ zog von Celle ſchien, obgleich er ſeine Tochter zärtlich liebte, von ihrem Verbrechen überzeugt, und blieb in gutem Ver⸗ nehmen mit dem Hofe zu Hannover.

Leuchtend und flammend zog der Morgen bereits her⸗ auf; draußen im Walde ſangen die Vögel ſchmetternde Lieder, und Alfred ſah, daß er ſich beeilen müſſe. Er goß