Nun verſchloß Ebert das Briefchen wieder, gab es dem Boten zurück, und ſchärfte ihm ein, es pünktlich an die Prinzeſſin abzugeben. Aber jedes Wort, das er geleſen, theilte er ſeiner Herrin mit, und ingrimmige Freude ver⸗ zerrte der Gräfin ſchönes Angeſicht, als ſie die Nachricht empfing.
6.
Die Schloßuhr ſchlug Eilf. Finſterniß lag in den lan⸗ gen Gängen des Gebäudes, denn nur ſelten flackerte dort noch eine Laterne mit unſicherm, verlöſchendem Licht. Tief in den Mantel gehüllt, ſchlich eine hohe Geſtalt durch die Galerien. Es war der Graf Königsmark, der von Nie⸗ mand geſehn zu werden glaubte, aber zwei Perſonen be⸗ lauſchten ihn. Lautlos öffnete er die Thür, welche zum Vorſaal der Prinzeſſin führte; er warf den Mantel ab, und Fräulein von Molk geleitete ihn zu der Fürſtin. Im dun⸗ feln Kleide trat ihm Sophie entgegen, und zeigte ihm ein kleines Päckchen, worin die Pretioſen lagen, die ſie vom Elternhauſe mitgebracht. Dies war der ganze Schatz, den ſie aus Hannover fortnehmen wollte, um im fernen Lande, unerkannt, als ſtille Bürgersfrau, mit ihrem Guſtav leben zu können. Vom Feuer einer ſchönen Hoffnung durchglüht, verabredete ſie den ganzen Plan der Flucht mit Königs⸗ mark; in zwei Stunden ſollte der Reiſewagen am Schloß⸗ garten ſtehn, und alles ſchien gelingen zu wollen.
Der Graf hatte noch Mchreres anzuordnen, er verließ Sophiens Gemach, und trat auf den Corridor hinaus. Da drangen vier Gardiſten mit blanken Schwertern ſo plötzlich auf ihn ein, daß er kaum Zeit gewann, ſeinen


