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Heitere Novellen / von Eduard Boas
Entstehung
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noch handeln; er folgte der Aufforderung, näher zu treten, und ließ ſich von der holden Buhlerin auf den Divan nie⸗ derziehn. Sie umſchlang ihn mit den weißen Armen, ihre Lippen ſaugten ſich küſſend feſt an ſeinem Mund, und ein lüſterner Glanz entſtrömte ihren Augen. Flammende Lie⸗ besworte flüſterte ſie dem Grafen zu, doch dieſer riß ſich plötzlich aus der Umſtrickung ihrer Arme los, er ſagte ihr Bitteres, und eilte zur Thür hinaus. Da preßte die Platen voller Wuth ihre Lippen zuſammen, in kalten Haß war ihre heiße Liebe umgewandelt, und fürchterliche Rache ſchwur ſie Dem, der dieſe Liebe verſchmäht hatte.

Haſtig ſchüttelte ſie die ſilberne Klingel, und Ebert, ihr vertrauter Diener, trat herein. Sie gebot ihm, Königs— mark's Gemächer zu umſchleichen und alle ſeine Handlun— gen zu erſpähen. Dem Befehl gehorchend, ſieht er einen Pagen aus des Grafen Zimmer kommen, der nach dem Flügel der Prinzeſſin will. Ebert ſucht ihn auszuforſchen, helles Gold verblendet des Knaben Sinn, und er zieht aus ſeinem Wamms ein Blatt hervor, das er Sophien über— bringen ſoll. Jener löst behutſam das Wachsſiegel auf, und entziffert die Worte:

„Sophie!

„So eben kehre ich von der Platen zurück, deren Pagen

„ich unbedachtſam folgte, weil ich glaubte, er führe mich

„zu Euch. Ich verſchmähte ihre Gunſt, und ihr bluti—

„ger Rachedurſt wird nicht blos mich, ſondern auch

„Euch bedrohn. Wir müſſen entfliehen. Morgen Nacht

„komme ich zu Euch, um alles zu berathen. Haltet

„Euch bereit, Sophie, denn nur die größte Eile kann

„uns retten!“