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Heitere Novellen / von Eduard Boas
Entstehung
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war vergeſſen, und beide fühlten ſich beglückt, einander wie⸗ der nahe zu ſein.

Die Mätreſſe des alten Kurfürſten Ernſt Auguſt, die üppig ſchöne Gräfin Platen, fand Wohlgefallen an Kö⸗ nigsmark. Leidenſchaft durchſtrömte ihr Blut, und ſie war nicht die Frau, die eine ſolche Flamme zu erſticken ſuchte. Eines Abends trifft der Graf im Garten einen Pagen, der⸗ ſelbe drückt ihm ein Briefchen in die Hand und entſchwindet dann. Ueberraſcht geht Jener zum Schloßportal, wo eine Lampe brennt, er bricht das Siegel, und liest mühſam die von Damenhand gekritzelten Worte:

„Lieber Graf!

„Folgt dem Knaben, der Euch dies gebracht; er iſt

„mein Vertrauter. Folgt ihm ſchnell— die Ungeduld

„der Liebe erwartet Euch!“

Königsmark küßte das Blatt, denn er war überzeugt, es komme von Sophien, und nun ſtand der Page wieder neben ihm. Von goldenen Phantaſien umwogt, geht er mit dem Boten, und merkt nicht eher, nach welchem Schloßflügel ihn derſelbe geleitet, als bis er in einem völlig fremden Zimmer ſteht. Blaubeſchirmte Lampen erleuchten das weiße Marmorcabinet mit einem Laſurglanz; aus prachtvollen Vaſen ſteigen ſinneberauſchende Blumendüfte auf, und ſehn⸗ ſüchtige Citherklänge tönen ihm entgegen. Im Hinter⸗ grunde ſieht er, auf weicher Ottomane, die ſchöne Gräfin Platen in reizend nachläſſiger Stellung ruhn. Aufgelöst rollen ihre ſchwarzen Locken, wie dunkle Lavawellen, um die blendenden Schultern, um die ſchwellende Bruſt, die im glühendſten Verlangen wogt.

Vor Ueberraſchung konnte Königsmark weder denken,