Druckschrift 
Heitere Novellen / von Eduard Boas
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ten ſie ſich, wo die Maurerherberge ſei, und verfolgten dann geradewegs die beſchriebenen Straßen, ohne ſich irgendwo zu verweilen.

Wo wirſt Du denn bleiben, Buchbinder? fragte Balling.

Ich weiß es nicht, denn ich bin hier ganz unbe⸗ kannt, entgegnete der Angeredete zaghaft.

So komm nur mit, beruhigte ihn der gutmüthige Regensburger, und warte vor der Thür, bis unſere Auf⸗ wanderung vorüber iſt. In den Handwerksſaal darfſt Du freilich nicht eintreten, aber der Herbergsvater wird ſich wohl willig finden laſſen, Dir für die Nacht ein Lager auf⸗ zumachen.

Man hatte jetzt das Haus erreicht, an welchem ein ſchwebendes Schild, mit vergoldeter Kelle und Hammer, verrieth, daß hier die Einkehr der Maurer ſei, und dieſe traten alſo in den dunklen Flur. Obgleich die Fenſterläden des Erdgeſchoſſes verſchloſſen waren, ſo konnte man durch die Spalten doch bemerken, daß es erleuchtet war, und innen hörte man lautes Stimmengewirr. Dreimal klopfte der Regensburger mit ſeinem Stöck an die Stubenthür, worauf die Herbergsmutter, eine muntere alte Frau, her austrat.

Iſt der fremden Maurergeſellen Herberge hier? fragte er, obgleich er es wußte.

Die Wirthin nickte ihm freundlich zu.

Sind ehrbare fremde Maurergeſellen hier, die hier in Arbeit ſtehen? fuhr unſer Bekannter fort, und als ihm auch dieſe Frage bejaht wurde, fügte er hinzu: Wir wün⸗ ſchen gerne einen zu ſprechen.

2*