11 ſchild in etwas mißlungener Danſtellung zeigte, wie eben ein Frachtwagen, ein Einſpänner und mehrere Wander⸗ burſche dort einkehrten. Unten in der großen Stube be⸗ fand ſich aber nur die dicke, ſchläfrige Wirthin, die unſeren Bekannten mit elaſſiſcher Ruhe einen rothen Napf voll kal⸗ ter Milch, ein halbes Schwarzbrod und etwas Butter vor⸗ ſetzte, während ihre ſchweren Holzpantoffeln im langſam⸗ ſten Takt über die Dielen klapperten.
Man ſtreckte ſich lang auf die Bänke, legte die Ränzel unter den Kopf und ſprach kein Wort. Als man ſich ſo ein Viertelſtündchen gedehnt hatte, erhoben ſich die vier Geſellen, aßen mit großer Behaglichkeit und ließen ſich auch die Reiſeflaſchen füllen. Dann machte die Wirthin ihre Rechnung, unſere Bekannten zogen die Lederbeutelchen hervor, an welche ein Petſchaft und ein Schlüſſel angebun⸗ den waren, bezahlten die billige Zeche und marſchirten ab.
Zweites Capitel.
Während ſie weiter gingen, gab es einen eifrigen Streit zwiſchen dem Maurergeſellen Balling und dem Zimmerge⸗ ſellen Niehnke, welcher darüber entſcheiden ſollte, ob das Maurer⸗ oder Zimmerhandwerk älter und ehrwürdiger ſei. Beide Theile hatten Vertheidiger voll Dialektik und Be⸗ geiſterung gefunden, denn ſowohl der Regensburger als der Cöpenicker würden ſich eher gegenſeitig todtgeſchlagen, als den geringſten Schatten auf ihren Handwerken haben ruhen laſſen. Wären auch nicht die vielen Förmlichkeiten, Geſetze und Vorſchriften als Beweiſe da, daß die Innungen recht aus dem Herzen des Mittelalters ſtammen, ſo wür⸗


