9
— Heeren Se, begann der Sachſe jetzt, einer großen Faſſungsgabe ſcheinen Se ſich eben nich zu erfreien, Barch⸗ witzer, aber ich will Se's erkleeren. Sind Se in Dreeſen jeweſen?
— Ja, ich reiſ'te durch!
— Na, denn haben Se doch jewiß des Brckenmänn⸗ chen jeſeh'n?
— Nein!*
— Herr Jeeſes! Sagen Se mer nur, Barchwitzer, wenn Se in Dreeſen des Prückenmännchen nich jeſeh'n haben, was haben Se da denn jeſehn?— De große Prücke über de Elbe kennen Se doch? Na jut! An dem fierten Veiler, nach Abend zu, is en kleenes zuſammenjeducktes Männechen in den Steen jehauen, was den Paumeiſter von dieſer Prücke vorſtellen ſoll, und das is's Dreeſener Wahrzeechen!
— Ja woll! rief Edeward Niehnke. Det Brückenmän⸗ neken is alljemein bekannt. In Berlin is det Wahrzee⸗ chen der jroße Kurfürſcht uf de lange Brücke. Wie manch ſcheenet Mal bin ick an ihm vorüber jejangen, als ick bei de Nehfſchandeller ſtund. Aberſcht der jroße Kurfürſcht is
et eijentlich nich, ſondern det Hufeiſen von den ufjehobenen
Vorderfuß an ſein Pferd. Und dieſes Hufeiſen is nich dran, ſondern et is janz und jar verjeſſen worden, weshalb ſich och der Bildhauer eijenhändig in de Spree jeſtirzt und eene betrübte Witwe mit mehrere Kinder hinterlaſſen 5 ſoll.
— Das Wahrzeichen von Wien habe ich mir auch in
Augenſchein genommen, ſprach der Regensburger. Nahe beim Stephansthurm, an der linken Ecke der Kärntnerſtraße,


