— 336—
Erdmuthe wiſſe; dieſe wieß ihn barſch ab, aber ſie weinte im Stillen darüber. Das Unglück kennt einander, nur Klaus hatte ſie erkannt und ſie wich ihm nun aus und verbarg ſich vor ihm, aber erſt als Traudle ihn bat, ihr Kind in Ruhe zu laſſen, ließ er ab, ſie zu verfolgen.
Die Sichelhenkete war in Luſtigkeit vorüber. Gottfried hatte die Taglöhner für die bisherige Arbeit abgelohnt und Erdmuthe als„Weiſchgefangener“ noch ein beſonderes Geſchenk gemacht. Jetzt kam Traudle mit erneuertem Drängen, aber Bläſi ging zu Erdmuthe, die im Keller Kraut einſchnitt und fragte ſie, was ſie mit ihrem Gelde mache.
„Ich hab's bis auf zwei Gulden dem Traudle geſchenkt,“ erwiederte ſie und Bläſi gerieth darob in hohen Zorn und ſchalt über Verſchwendungsſucht und böſe Gewohnheiten. Erdmuthe ließ ihn austoben, dann erklärte ſie ihm, daß ſie eben ſo gern arm ſein möchte als in Reichthum kommen, und dieſes ſei ihr nu darum erwünſcht, damit ſie Anderen ohne Schmälerung des Beſitzthumes Gutes thun könne; dürfe ſie das nicht und vertraue ihr Bläſi nicht, daß ſie haushälteriſch ſei, ſo verließe ſie lieber in dieſer Stunde das Haus und zöge wieder in die weite Welt und wolle Niemanden ſagen wer ſie ſei. Nun ging es an ein aber⸗ maliges und gründliches Erörtern der beiderſeitigen Geldſchätzung, und Bläſi, der Erdmuthe hatte bekehren wollen, mußte ſelber bekennen, daß bei der Art, wie man in ſeinem elterlichen Hauſe allzeit in Angſt und Sorge ſei, man kein Vermögen beſitze, ſon⸗ dern davon beſeſſen ſei und daß es ein Taglöhner beſſer habe als ein Reicher, der immer den Geldſchlüſſel ans Herz gebunden habe. Bläſi verſtand dieſe letzte Wendung wohl und er bat nur Erdmuthe, ſeinen Vater nichts merken zu laſſen, daß er und ſie andern Sinnes ſeien. Mit Freude gab ihm Erdmuthe die Hand darauf und verhöhnte ihn zuletzt noch völlig, indem ſie ſagte:
„Ich will dirs nur geſtehen, ich hab mein Geld noch, und hab nur zwei Gulden dem Traudle geſchenkt; aber weil du mich ſo mißtrauiſch gefragt haſt, hab ich grad umgekehrt geſagt; du


