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Bräutle löſen und Allerſeelen.
Warum zögerte nur Bläſi mit der Offenbarung des Ge⸗ heimniſſes? Er bangte doch davor, denn er kannte die eiſerne Härte des Vaters, er hatte auf irgend einen begünſtigenden Zu⸗ fall gehofft, aber er war nicht eingetreten, und wie das ſo geht, allmälig erwuchs ihm ein neuer Gedanke.
Viele Menſchen ſind oft am ſtolzeſten auf Ereigniſſe und Gedanken, die ihnen im Laufe der Zeit erwuchſen und bereden dann ſich und andere, daß dies ihre urſprüngliche genau bexech⸗ nete Abſicht war. So auch beredete ſich Bläſi, daß er die lange Verborgenheit erzielte, um den haushälteriſchen Sinn Erdmuthe's zu prüfen und in ihr zu pflanzen; denn ſo tief und innig auch ſeine Liebe zu Erdmuthe war, er war doch noch Gottfriediſch ge⸗ nug, um jede leichtfertige Vergeudung, ja ſogar die Sorgloſigkeit als das ärgſte Uebel zu fürchten, und man konnte nicht wiſſen, was noch Erdmuthe von der Gewohnheit ihres elterlichen Hauſes anhange.
Erdmuthe hatte ihn nur das eine Mal am Morgen vor der Ernte um Löſung des Geheimniſſes gebeten, ſie ſchwieg fortan und harrte geduldig. Um ſo drängender war Traudle. Sie ſchil⸗ derte die Gefahr, daß Jemand von Lichtenhardt komme und ſage, daß ihre Tochter todt ſei, ſie ſchilderte ihre Qual und die Erdmuthe's in den grellſten Farben und wollte keinen Zweck der Zogerung anerkennen, ja ſeit einigen Wochen war die Sorge, daß das Geheimniß auf ungeſchickte Weiſe offenbar würde, das ſich ſo wunderbar lange erhalten hatte; der lahme Klaus mußte Erdmuthe halb erkannt haben, denn er lauerte ihr oft auf und lief ihr an ſeinen Krücken nach und fragte ſie, ob ſie nichts von


