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mußt an mich glauben, ungefragt, wie ich an dich, ich mein' ich hab dirs bewieſen.“
„Ja, und jetzt iſt Alles gut und ſchön und am Allerſeelen⸗ tag kommt's erſt recht. Meiner Schweſter hab ich zur Vorſorge Alles geſagt und du ſollſt wenn's Abend wird zu ihr kommen. Es geht was vor. Sei gefaßt.“
Im eigenen elterlichen Hauſe fand ſich Erdmuthe zuerſt wie⸗ derum daheink und erkannt, und es war das größte Lob, das ein Gottfriediſches ausſprechen konnte, als die Schweſter ſagte:
„Mein Bruder macht ein größer Glück an dir als wenn du dein Vermögen doppelt und dreifach noch hätteſt.“
Als andern Tages Erdmuthe mit vielen anderen Frauen beim Hanfbrechen am Weiher war, kam auch Bläſi und bezahlte gerne das übliche Löſegeld, das ein Mann geben muß, der den
Frauen bei dieſer Arbeit in den Weg kommt. Viele Knaben ſpran⸗
gen hier umher, die ſich Peitſchen flochten und das Bräutlelöſen am Weiher ſpielten; als wäre er ſelber noch ein Kind nahm auch Bläſi dieſes Spiel auf und Alles ſtaunte und jubelte über ſeine Geſchicklichkeit. Im Uebermuthe ſeines beſeligenden Geheimniſſes und in der kecken Luſt es zu verrathen, rief er:
„Das hab ich vor vielen Jahren mit der Erdmuthe geſpielt, ſie hat lang auf dem Waſſer getanzt, endlich iſt ſie doch unter⸗ geplumpſt.“
Niemand verſtand ihn als Erdmuthe und die Schweſter, die anderen ſahen einander ſtaunend an und ihre Blicke ſagten; jetzt hat man gemeint, er wär'geheilt und jetzt iſt er doch wieder nicht recht im Kopf.—
Ein ſtiller ſonnenloſer Tag brach an, der Himmel war weiß⸗ lichgrau und die Erde auch, denn ein Winterreif lag auf Gras und Scholle und auf den Spitzen der Winterſaat. In jener Buchenumzäunung vor dem Dorfe brannten hunderte von Lich⸗ tern auf den ſchwarzen Kreuzen, kein Windhauch wehte und die Lichter brannten unbewegt; auf einem Kreuze flammten zwei Lichter und darunter ſtand der Name: Erdmuthe. Die Lebenden gingen zwiſchen den Gräbern der Abgeſchiedenen umher, Niemand ſprach ein lautes Wort, nur leiſe Gebete wurden gemurmelt, die
Anerbach's Dorfg. 4. Bd. 22


