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nicht ſo arg iſt. Ich will gern von dir lernen, aber du mußt auch von mir, glaub mir, das iſt auch nöthig.“
„Gieb noch einen Armvoll her, es geht noch in die Wiede“, endete Bläſi und der Friede war abgeſchloſſen. Im weiteren ſtillen Arbeiten wollte er zwar Anfangs die Mahnung Erdmuthe's ver⸗ werfen, aber er war ehrlich genug, ihr doch Recht zu geben und es war ihm eine Freude, ihr Recht geben zu können.
Dieſſeits der Regentage war Emſigkeit und Heiterkeit auf dem Felde noch eine verdoppelte. Selbſt der allzeit finſtere Gott⸗ fried ſagte einmal ſeiner Frau, ſo luſtig ſei noch nie eine Som⸗ merszeit geweſen und er befahl ihr, daß ſie bei der Sichelhenkete auch nicht ſparen ſolle.
Mit der hohen Erntezeit hörte das Bedrängen der Arbeit nicht mehr auf. Es ging an's neue Einbauen der kaum befreiten Aecker. Männer und Frauen hielten ſich an verſchiedene Arbeit, dieſe mußten Hanf jäten, den Samen ausklopfen, ſpreiten und im Weiher einweichen und dazwiſchen die Ernte unter dem Boden halten, Kartoffeln und Rüben einthun und der hunderterlei klei⸗ nen Thätigkeit obliegen, die ein ausgebreitetes Feldgeſchäft mit ſich bringt. Bläſi hatte meiſt mit dem Einſäen zu thun und kam müde nach Haus, denn das Säen gehört zu den beſchwerlichſten Arbeiten: ein bis zwei Simri Saatfrucht vor ſich hertragen, in dem ſchweren Boden, wo man kaum die Füße heben kann, ſich in gleichmäßigem Schritte und gerader Linie halten und dabei
allzeit einen gleichmäßigen Wurf thun— wenn Bläſi Abends
heim kam, ſchlief er bald ein und es war nicht abzuſehen, wann die Angelegenheit mit Erdmuthe enden ſollte.
Man ſchnitt eines Tages wieder gemeinſam den Späthaber an dem Hubelberg, die Blätter an den Bäumen fingen ſchon an zu vergilben, an den Vergen hingen Wolkenflocken und ein leiſer Herbſtduft wob über den Feldern; da kam Gottfried mit einem fremden Herrn zu den Schnittern auf das Feld. Erdmuthe mußte ihm auf den Wunſch der Genoſſen nach altem Brauche„ins Weiſch fangen.“ Sie nahm eine Handvoll Aehren, wand ſie dem


