482 den Kranken zu verlaſſen und einmal wendete er ſich wieder um und ſang mit geſchloſſenen Augen:
„Weil Scheiden bitter iſt Und's lieben ſüß...
Gegen Morgen that er einen mächtigen Schrei, die Frau ſprang von dem Stuhle, auf dem ſie einge⸗ ſchlafen war, und in den Armen ſeiner Moni ſtarb Broſi.—
Es war am Freitagmorgen, am Tage Himmelfahrt Mariä, als Broſi ſtarb und als der Uribaſche die Todtenglocke läutete, betete ein Jedes ſtill im Dorfe, jedes wußte, wer verſchieden war.
Erſt am Montag Morgen wurde Broſi begraben, man hatte nach den Söhnen geſchrieben und ſie kamen und gingen hinter ſeiner Leiche. Auf dem Sarge lag Hammer und Kelle und der Maßſtab, der Broſi als Stütze gedient. Die polizeiliche Ordnung duldete es nicht, daß man den Wunſch des Verſtorbenen erfüllte, und ihm Tanzmuſik zu ſeinem Leichenbegängniſſe auf⸗ ſpielte, aber weil Broſi Gemeinderath geweſen war, wurden eine Stunde lang in dreimaligen Abſätzen alle Glocken geläutet. Es war ein heller Sommermorgen voll Lerchenſang und Sonnenſchein und ſo weit man die Glocken in den Bergen vernahm, ſtanden die Wald⸗ arbeiter ſtill, legten die Aexte hin und beteten für den, den man begrub, ein Vaterunſer, und wer mit Ge⸗ noſſen arbeitete ſprach mit ihnen davon, wie gerne ein Jedes dem Broſi die letzte Ehre erwieſen hätte, daß man aber keines Taglohnes ermangeln könne. Nur noch dreimal war Moni in der Kirche als


