Teil eines Werkes 
[2. Theil] (1848)
Entstehung
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Es iſt tief bezeichnend und wohl ſinnbildlich, daß die Schriftſprache Wort und Begriff Bauer noch nicht beſtimmt zu dekliniren weiß: Der Bauer, des Bauern und des Bauers.

Wie der Athem der Erde und des Meeres aus den höheren Regionen wieder als erfriſchender und befruchten⸗ der Regen herniederträufelt, ſo kann und muß auch der Volksgeiſt, ſein Denken und Fühlen aus der höheren Region des Schriftenthums wieder herabgelenkt werden in ſeinen Urſprung, das Volksgemüth.

Gewiß war mancher der berühmten griechiſchen Hel⸗ den nicht gebildeter, ſo was man eigentlich gebildeter nennt, als mein Hansjörg, Kilian, Mathes, Thaddä, Wendel u. v. a., von dem Buchmaier gar nicht zu reden, aber durch die offentlichen Staats⸗ und Rechtsverhältniſſe, durch das öffentliche Kunſtleben, durch den Gottesdienſt, der aus dem innerſten Kern des Volkslebens hervorgegangen, wa⸗ ren eine Maſſe von Gedanken, Gefühlen, Anſchauungen und zarten Regungen in der Luft. Die Leute lernten und hörten nicht immer bloß bibliſche Geſchichten, Erzählungen von Menſchen, die in ganz anderen Verhältniſſen gelebt und keinen unmittelbaren Vergleich zulaſſen. Sie hörten von Vorfahren, die ähnlich gelebt, wie ſie ſelber, ſo und ſo gehandelt, ſo und ſo gedacht, einzelne Ausſprüche und Anekdoten erbten ſich fort von Geſchlecht zu Geſchlecht; alles das ging ihnen nahe, und wo es drauf und dran kam, waren die Nachkommen Helden und großſinnige Menſchen wie ihre Vorfahren. Uns aber iſt die Geſchichte eines fremden verlorenen Volkes, des jüdiſchen, die heilige geworden, nicht die Geſchichte unſerer Nation Die Griechen kannten ihren Homer auswendig, das gab ihnen Sprüche und Bilder, die auf ihr Leben paßten; wir Deut⸗ ſchen haben noch keinen, der uns ganz das wäre, Schiller iſt nicht fur die ganze Nation in allen Bildungsſchichten. Wir haben aber eine Nationalweisheit in den Sprüch⸗ wörtern, die ſich unabhängig vom alten und neuen Teſta⸗ ment gebildet hat. Wir haben das Nationalgemüth in