Teil eines Werkes 
[2. Theil] (1848)
Entstehung
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Hedwig, die Banditenbraut, von Körner laſen; das Aben⸗ teuerliche, Salbungsvolle griff tief ein. Als das Stück zu Ende geleſen war, fragte Mathes:Wie iſt es denn mit den Räubern im Keller gegangen? Sind ſie verbrannt oder hat man ſie gerichtet.

Der Lehrer mußte über dieſe theilnehmende Frage la⸗ chen, er wußte aber keine Antwort; vielleicht iſt einer der Leſer ſo gut und läßt ihm eine zukommen.

Mitunter wurden auch die alten Volksbücher geleſen, und beſonders die Schildburger erregten großen Jubel.

Allgemeine Bemerkungen in ſein Taſchenbuch einzu⸗ tragen, dazu hatte der Lehrer nur ſelten Zeit und Stim⸗ mung; was er dachte, gab er ſogleich den Männern preis, und was er dachte und fühlte, offenbarte er Hedwig und es war ihm genug, es ſo ausgeſprochen zu haben. Den⸗ noch finden wir einige Bemerkungen in den früher ange⸗ zogenen Blättern:

Wenn ich dieſe Blätter anſehe, iſt es mir oft, als war ich früher ein ſonderbarer Egviſt; ich habe die Welt nur in mich aufzunehmen, nicht mich an ſie hinauszu⸗ geben getrachtet. Was iſt all' die eigenſüchtige Verfeine⸗ rung der Gefühle gegen einen einzigen Gedankenfunken in eine fremde Seele geworfen? Das iſt tauſendmal mehr werth als alle noch ſo ſinnreich ſchwelgeriſchen Betrach⸗ tungen. Es iſt gut und war wohl nöthig, daß ich dieſe hinter mir habe

Wie gar leicht iſt es, groß, vornehm und gelehrt zu erſcheinen, wenn man ſich vom Volke zurückzieht, ſich einen beſondern Palaſt des Wiſſens und Denkens auferbaut, eine Burg auf hoher Bergesſpitze, fern von den Thalbewohnern. Steigt man aber herab zu den Menſchen in den Niede⸗ rungen, lebt man mit ihnen und für ſie, da erfährt man's oft, wie man bisweilen die einfachſten Dinge nicht weiß, die beſten Gedanken nicht ahnt. Ich habe einmal geleſen, daß es Fürſten gibt, die ſich dem Volke nie oder nur ſelten zeigen; da iſt es freilich leicht, ſich mit Majeſtät zu umhüllen.