Teil eines Werkes 
[2. Theil] (1848)
Entstehung
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Der Florian kann ſich fünfmal aus⸗ und ankleiden, ſo viel ſchöne Kleider hat er bei ſich, ſagte ein drittes Mädchen.

Und er ſpricht faſt lauter Franzöſiſch.

Und er hat eine Uhr mit einem Behäng, wo ſein ganz Handwerkzeug von Silber dran iſt.

Und ein ſchwarz Schnauzbärtle hat er zum Küſſen.

Ein Lärm unterbrach die ſchnellen Berichte.

Was ſtoßſt mich ſo, ſagte Käther zu des Kilians Annele,Narr, ich bin kein reicher Burſch.

Sei ſtill du, du biſt ja ſchon zweimal im Spinnhaus geweſen und das drittemal ſteht dir ſchon auf der Stirn.

Wart, ich will dir's auf die Stirn ſchreiben, ſchrie die Käther, und ſtieß mit ihrem Kübel nach dem Annele; dieſes aber hatte den Schlag abgewehrt und gab dafür einen andern zurück. Nun ging's an ein gewaltiges Ringen, die Kübel wurden auf die Erde geworfen, die beiden Kämpfen⸗ den faßten ſich mit den Händen. Eine Weile ſahen die Andern müßig zu, dann aber wehrte Alles ab, und beſon⸗ ders der Soges ſchlug hüben und drüben drein. Wie zwei Streithähne, die von einander gejagt wurden, blickten ſich die Feinde noch grimmig an, indem ſie ihre Kübel zur Hand nahmen. Das Annele ſtrich ſich weinend die Haare aus dem Geſicht, es klagte, daß Niemand vor der Käther Ruhe habe und daß die ganze Bürgerſchaft dafür ſorgen ſollte, daß ſie ewig in's Spinnhaus käme.

Die Reihe war endlich an Creszenz gekommen. Sie trug nun den ſchweren Kübel auf dem Kopfe, aber noch ſchwerer war's ihr im Herzen. Große Thränen kugelten über ihre Wangen, aber ſie that als ob der Kübel tropfe, und fuhr immer mit der rechten Hand und mit der Schürze über deſſen untern Rand; ſie ahnte wohl, welche Verwir⸗ rung die nächſten Tage bringen konnten, hatte ja dieſe ſchon in ihrem Herzen begonnen.

Zu Hauſe vollzog ſie die Arbeit, ohne mehr einen Ton zu ſingen.