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liebe Leonore, du mußt es auch leſen und du wirſt mir Recht geben. Leſet, Schweſtern, leſet.“
Die Schweſtern laſen folgende Aufzeichnungen von des Aſſeſſors Hand:„
„Selig der Einſame, der Geringe! Er darf in Ruhe reifen und friſch werden.“ Schöne, und was noch beſſer iſt, wahre Worte.“
„Der Findling hat ſie an ſich erprobt. Er war krank an Herz und Gemüth, krank an der Welt und an ſich ſelbſt. Aber er war der Geringen, Unbemerkten einer, und ſo durfte er viel allein ſein, allein in dem friſchen, ſtillen Walde draußen, allein mit dem großen Arzte, der allein die tiefen Wunden des Herzens zu heilen vermag, und— es iſt beſſer mit ihm geworden.“
„Jetzt fange ich an den großen Oberarzt zu begrei⸗ ſen und die Diät, die er mir vorgeſchrieben hat. Ich fürchtete den Krebs des Egoismus und wollte mich frei⸗ trinken davon im Nektar der Liebe. Aber er ſagte: Je⸗ remias, nicht dieſen Trank, ſondern den der Entſagung! Er iſt blutreinigender.“
„Ich habe ihn getrunken. Ich habe ſie zwanzig Jahre geliebt, ohne Forderung und ohne Hoffnung.“
„Ich lege heute mein dreiundſechszigſtes Jahr zurück. Der zunehmende Schmerz in meiner Seite gebietet mir die Treppen der Patienten zu verlaſſen und ſagt mir, daß ich nicht mehr viele Treppenſtufen bis an mein Grab habe. Möge es mir geſtattet ſein, meine übrigen Tage ausſchließ⸗ licher für ſie zu leben.“
„Auf der Roſe des Alters will ich für ſie leben, denn es ſteht in meinem Teſtament, daß die Roſe des Al⸗ ten ihr gehört, ihr, der Eva Frank.“
„Ich will das Gut für ſie verſchonen, ich will ſchöne Blumen und Bäume für ſie hineinſetzen. Ich will Trau⸗ ben und Roſen dort ziehen. Das Alter wird auch ſie einſt ergreifen und verwelken und hinſchwinden laſſen, aber
„Aus Almquiſts„Buch der Roſe.“


