Druckschrift 
Das Haus oder Familiensorgen und Familienfreuden : Erzählung / von Friederike Bremer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

28

Schiffbruch zu leiden, ſo beſchloß ich alles Romanleſen, wenigſtens bis auf Weiteres, aufzugeben. Aber ſo groß iſt mein Bedürfniß nach irgend einer literariſchen Er⸗ quickung dieſer Art, daß ich, ſeit ich keine Romane mehr leſe, angefangen habe, ſelbſt einen zu ſchreiben. Ja Cäcilie, meine Jugendanlagen wollen mich mitten unter den Geſchäften und proſaiſchen Sorgen des Alltagslebens nicht verlaſſen und die Blumen, die mir in einer Mor⸗ genſtunde ſo ſchön geduftet, ſie wollen jetzt in der Er⸗ innerung noch einmal für mich blühen und einen er⸗ friſchenden Kranz um mein welkendes Haupt flechten. Die fröhlichen Tage, die ich an deiner Seite verlebt, die Eindrücke, die anmuthsvollen Auftritte ſie er⸗ ſcheinen mir jetzt noch mehr ſo als bamals die unſre Jugend ſo ſchön, ſo heiter und friſch gemacht, ich will ſie in ein deutliches Bild bringen, bevor ſie im Verlauf der Jahre aus meiner Seele verſchwinden. Dieſe Be⸗ ſchäftigung ermuntert und ftärkt mich und wenn ich Abends in Folge von Müdigkeit oder Verdruß mein ner⸗ vöſes Zahnweh bekomme, ſo vermag mich Nichts ſo zu zerſtreuen, als die Arbeit au meinem kleinen Roman. Gerade heute Abend plagt es mich mehr als gewöhnlich und ich will mein unſchuldiges Opiat anwenden. Ernſt ſoll mich doch nicht mehr auffinden, wenn er kommt: ich habe ihm das verſprochen. Gute Nacht, liebe Cäcilie.

Wir wollen hier eine kleine Schilderung der Brief⸗ ſtellerin einſchalten, der Mutter Heinrichs, Louiſens, Evas, Leonorens, Petreas und Gabrielens.

Schön war ſie nicht, aber die Natur hatte ihr ei⸗ nen edlen Wuchs gegeben, der noch fein und ſchlank war, wie bei einem jungen Mädchen. Die Geſichtszüge waren unregelmäßig, aber der Mund friſch und reizend, die Lippen ſchon hellroth, ihr Teint weiß, die hellblauen Augen ſanft und freundlich. Ihre Bewegungen hatten viele Anmuth, ſie beſaß ſchöne Hände was bei einem Frauenzimmer immer etwas Schönes iſt und zeigte ſie nicht ohne Noth, was ſie noch ſchöner machte. Sie

5

wußte mer in den ſie ſen etn thuende vergleic

lich

ſehen, wir Hausho ſchäften rin me Pflicht ihren n beitete, wirklich ging i

Frieden

wandſck freute haßte unſern

V es beſ ſchlager mal di in ihr wäre i griff,

dachte

heimlic blieb r mer tr einem

ſprechu