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Das Haus oder Familiensorgen und Familienfreuden : Erzählung / von Friederike Bremer
Entstehung
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Indeß erſchreckt mich dieſer Gaſt beinahe weniger, als ein Beſuch, der mich binnen Kurzem bedroht. Du haſt ſchon von der Oberſtin S. gehort, der ſchönen Emilie, meines Mannes alter Flamme, wie ich ſie aus einiger Rachſucht wegen all der Unruhe nenne, die ihre den mei⸗ nigen ſo entgegengeſetzte Vortrefflichkeiten mir verurſacht haben. Sie iſt ſeit mehreren Jahren Wittwe, hat ſich lange im Ausland aufgehalten, iſt aber jetzt im Begriff, in ihr Vaterland zurückzukehren und uns zu beſuchen. Ernſt und ſie ſind immer auf einem freundſchaftlichen Fuße mit einander geſtanden, obgleich ſie einſt ſeine Hand ausſchlug. Und das iſt ein edler Zug an meinem Ernſt wie überhaupt bei ſeinem ganzen Geſchlechte nichts Seltenes daß dieſer Korb ihn gegen die Perſon, die ihn ausge⸗ theilt, nicht kalt gemacht hat. Im Gegentheil äußert er immer gerne ſeine Bewunderung für dieſe Emilie und hat nicht aufgehoͤrt mit ihr zu correſpondiren, und ich, die ich alle ihre Briefe leſen darf, kann nicht umhin, ihre un⸗ gewöhnlichen Kenntniſſe und ihren Geiſt anzuerkennen. Gleichwohl hätte ich das Vergnügen gerne entbehrt, dieſes Alles in der Nähe kennen zu lernen, denn es kommt mir vor, als ob meines Mannes alte Flamme etwas Kaltes im Herzen hätte und das meinige nicht warm für ſie werden könnte.

Es ſchlägt zehn Uhr. Vor zwölf kommt Ernſt nicht nach Hauſe. Ich verlaſſe dich jetzt Cäcilie, um. ſoll ich dir mein Geheimniß ſagen? Du weißt, daß es immer zu meinen größten Vergnügungen gehört hat, einen guten Roman zu leſen, aber dieſem Vergnügen habe ich jetzt beinahe ganz entſagen müſſen, denn bekomme ich je einmal etwas Intereſſantes in die Hand, ſo wird es mir entſetzlich ſchwer, davon abzulaſſen, ehe ich bis auf die letzte Seite gekommen bin. Das geht nun aber einmal bei mir nicht an und als einmal wegen Madame Staöls Corinna zwei Mittageſſen, eine große Wäſche und ſiebenzehn kleinere Haushaltungsangelegenheiten nahe daran waren, zu ſtranden und mein häuslicher Friede