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Das Haus oder Familiensorgen und Familienfreuden : Erzählung / von Friederike Bremer
Entstehung
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meine Kleinen zu uns kommen. Er muß dieſen Sommer meinen wilden Knaben unter ſeine Obhut nehmen, den Mädchen Unterricht im Schreiben, Zeichnen und Rechnen geben und auf den Herbſt meinen Erſtgebornen aus dem

mütterlichen Hauſe in eine größre Erziehungsanſtalt be⸗ gleiten. Mir bangt vor dieſem neuen Mitglied in unſrem häuslichen Kreiſe; der Mann kann ſo ſtörend werden, wenn er nicht gut iſt. Iſt er aber brav und gut, ſo ſoll er mir herzlich willkommen ſein. Beſonders als Beiſtand in den langweiligen Schreiblektionen mit ihrem ewigen:Bleib ruhig ſitzen, Heinrich! Halte die Feder richtig, Louiſe! Sieh auf die Vorſchrift, Leonore! Vergiß die Punkte und Striche nicht, Epchen! Petrea wiſche mir nicht immer deine Buchſtaben mit der Naſe aus! Ueber⸗ dieß fängt mein Erſtgeborner an immer weniger Achtung für meine Kenntniſſe in ſeiner lateiniſchen Grammatik zu hegen und Ernſt wird immer ungehaltener über ſeine wilden Streiche. Er wird bei Jakobi einen Kameraden haben an dem Sohn des Landeshauptmanns Stjernhök, Nils Gabriel, einem ausgezeichnet geſetzten und außeror⸗ dentlich artigen Jungen, von deſſen Einfluß auf meinen Heinrich ich viel Gutes hoffe.

Der Kandidat iſt uns mit vieler Wärme empfohlen worden von einem Freunde meines Mannes, dem vor⸗ trefflichen Biſchof B. Seine Aufführung auf der Hoch⸗ ſchule hat indeß durchaus nichts Empfehlendes. Durch Leichtgläubigkeit und Leichtſinn hat er ein hübſches kleines Erbgut von drei alten Tanten, bei denen er aufgewachſen und erzogen worden iſt, ſchnell durchgebracht und überhaupt ein unordentliches Leben geführt. Biſchof B. macht keinen Hehl daraus, ſagt aber, er halte viel auf den jungen Mann, lobt ſein gutes Herz, ſein vortreffliches Lehrtalent

und bittet uns inſtändig, ihn mit elterlicher Zärtlichkeit in

unſer Haus aufzunehmen. Wir wollen jetzt ſehen, wie weit er ſich einer ſo herzlichen Theilnahme würdig zeigt. Ich geſtehe, daß meine mütterliche Zärtlichkeit für ihn noch vollkommen ſchlummert.

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