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Das Haus oder Familiensorgen und Familienfreuden : Erzählung / von Friederike Bremer
Entstehung
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wider; ich ſelbſt habe wenig Appetit und es iſt mir un⸗ angenehm, den Kopf immer voll Eßgedanken haben zu ſollen, wenn ich Abends zu Bette gehe und Morgens er⸗ wache. Alles dieß macht, daß mein Mann ſeine häuslichen Behaglichkeiten nicht hat, wie er es mit Recht fordern kann. Bisher habe ich in meiner Kränklichkeit der Pflege der Kinder, ſo wie in unſern nicht beſonders günſtigen Um⸗ ſtänden gültige Entſchuldigung gehabt; jetzt aber können ſie nichts mehr gelten, da meine Geſundheit wieder herge⸗ ſtellt iſt und die Zunahme unſers Vermögens Veranlaſſung gibt, mehr für die Haushaltung zu thun. Ich bemühe mich daher auch aufs Ernſtlichſte, meine Pflichten zu er⸗ füllen; aber o, wie angenehm muß es werden, wenn die kleine Louiſe einmal ſo groß iſt, daß ich einen Theil der Haushaltungslaſt auf ihre Schultern legen kann! Ich ſtelle mir vor, ſie werde dieſe Laſt mit einer ganz beſondern Anmuth tragen.

Ich werde heute zweiunddreißig Jahre alt und es iſt mir, als trete ich in eine neue Periode meines Lebens. Meine Jugend liegt hinter mir, ich trete jetzt ins mitt⸗ lere Alter und ich fühle woht, was dieſes und mein Mann von mir zu fordern berechtigt ſind. Moͤchte ein neuer, kräſtigerer Menſch in mir aufſtehen! Möge Gott mir beiſtehen und Ernſt mild ſein gegen ſeine mangel⸗ haſte Gattin! Ernſt ſollte eine weit raſchere Frau haben. Meine Nervenſchwäche macht mich reizbar und ich werde ſo leicht aus dem Concept gebracht. Sein thätiger Sinn beunruhigt mich oft mehr, als billig und vernünftig iſt. Ich kann z. B. ordentlich in Angſt gerathen, wenn ich ſeinen Blick ſcharf auf eine Wand oder einen ſonſtigen Gegenſtand gerichtet ſehe; ich meine dann, es müſſe jeden Augenblick eine Thüre da aufſpringen oder ſonſt eine Ver⸗ änderung da vorgehen, und doch iſt mir Stille und Ruhe ſo großes Bedürfniß.

Bald wird eine Veränderung in unſerem Hauſe vorge⸗ hen, der ich nicht ohne Unruhe entgegenſehe. Ein Kandidat der Philoſophie, Jakobi mit Namen, ſoll als Hofmeiſter für