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Waldfräulein oder Ritter und Adept : romantische Sage der Vorzeit / von Eduard Breier
Entstehung
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256 zehnten Jahrhundertes dahin gekommen waren, eine der frommen Frauen auf dem Serbebette. Um Schutz und Zuflucht vor Feinden und Verfolgern zu finden, um ihr Leben auf eine fromme, gottgefällige Weiſe ſo beſchließen zu können, wie ſie es bisher geführt, war ſie in den heiligen Stand getreten, und hatte entfernt von

dem Getreibe der Welt, entfernt von ihren Freuden

und Wonnen auf Alles verzichtet, was ſie zu biethen im Stande war. Zwei dienende Schweſtern ſtanden un⸗ weit dem Sterbelager der Beguine, und ein greiſer Prieſter ſaß an demſelben, um der Erdenpilgerinn Him⸗ melstroſt auf den weiten Weg mitzugeben.

Ich habe Euch, frommer Vater, liſpelte die Kranke matt, Alles bekannt, was mein Herz belaſtete; die mich verfolgten, ſind mir ſchon lange vorangegangen, und die mich geliebt, mit ihr werde ich nun endlich ganz vereint werden! Kann es für mich daher etwas Süßeres als den Tod geben? Hier nehmt noch dieſe Blätter; ich habe in denſelben meine Schickſale aufgezeichnet, wie mich der Himmel würdig befunden, durch ein Weſen anderer Welt aus Nöthen und Gefahren zu erretten, und in den Hafen der Ruhe einführen zu laſſen. Viele leben um zu ſündigen, andere leben, um Freuden zu genießen, wieder andere leben, um ſich zu ver⸗ ewigen; ich habe gelebt, um zu dulden!

Nach dieſen Worten verſagte ihr die Zunge, ſie