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Waldfräulein oder Ritter und Adept : romantische Sage der Vorzeit / von Eduard Breier
Entstehung
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257 ſchloß die Augen und ſtarb ſanft, ſie erloſch wie ein Oehlflämmchen, dem's an Nahrung gebricht.

Dieſe Beguine war Gertrude, die mißhandelte Gattinn des letzten Schrattenſteiners.

Die Stammburg dieſes alten, ritterlichen Geſchlech⸗ tes aber blieb lange Zeit zerſtört und verwüſtet, denn Jedermann ſcheute ſich den unheimlichen Ueberreſten eines Wohnortes zu nahen, welchen der Arm des Him⸗ mels vernichtet hatte. Später verſuchte man es die Burg wieder aufzubauen, allein der Fluch ſchien an dem Platze zu kleben, und ſo kam es, daß ſie wieder verlaſſen wurde und es bis zum heutigen Tage noch iſt. Man ſieht es der Ruine an, daß ihre Mauern zertrümmert, und durch ein gewaltiges Ereigniß ausein⸗ ander geriſſen wurden. Im vorigen Jahrhunderte be⸗ nützten Falſchmünzer den abgelegenen Ort zu ihrem Aufenthalte. Von den Blättern, in welchem Ger⸗ trude ihre Lebensgeſchichte verzeichnet haben ſoll, ſo wie ſelbſt von dem Kloſter, in dem ſie ſtarb, iſt keine Spur mehr zu finden. Auch Waldfräulein ließ ſich nie wieder ſehen, obwohl die Landleute in der Um⸗ gebung von ihr erzählen, und die Armen und Guten ihr Erſcheinen herbei wünſchen.