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Waldfräulein oder Ritter und Adept : romantische Sage der Vorzeit / von Eduard Breier
Entstehung
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254 welche Du durch mein Einwirken gemacht haſt, mö⸗ gen Dir ſtets unvergeßlich bleiben; Du haſt geſehen, welche üble Folgen es bringt und Du müßteſt ganz verdorben und unverbeſſerlich ſein, wenn Dich die bit⸗ tere Etfahrung nicht klüger gemacht haben ſollte. Was mich belangt, ſo ſeht ihr in mir zugleich die gute Frau Jutta, ich bin aber weder das ſteieriſche Fräu⸗ lein, noch die arme Frau, ſondern ein Weſen anderer Welt, welches alle Formen annehmen kann, wenn es das Wohl der Beſſern und die Beſtrafung der Bö⸗ ſen zum Zwecke hat. Ihr werdet das Erbe des ver⸗ ſtorbenen Vetters in Empfang nehmen, und wenn Ihr fromm und tugendhaft zuſammenhaltet, ſo werdet ihr auch glücklich damit ſein, das kann ich Euch ver⸗ ſichern!

Die beiden Liebenden ſanken der Erſcheinung zu Füßen. Waldfräulein breitete ſegnend die Hände über ihre Häupter, ein Säuſeln, wie der Morgen wind in Blumenblättern, durchwehte die Stube, und als Hanns und Lisbertha aufblickten, war die Erſcheinung ver⸗ ſchwunden. Durch das Fenſterchen herein aber tönte wieder der muthwillige, hüpfende Geſang, der den Weinzürl ſo oft geneckt hatte; er lautete:

Willkommen! Hanns Poſtl! Biſt endlich zu Hauſe?

Und ladeſt zur Hochzeit Die Nachbarn zum Schmauſe!