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Waldfräulein oder Ritter und Adept : romantische Sage der Vorzeit / von Eduard Breier
Entstehung
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er ging auf ſie zu, faßte ihre Hand und ſprach: Ver⸗ gebt mir, theuere Seele! daß ich Euch durch zwei Tage weniger als ſonſt geſucht habe; ich will mir ſolche Vernachläſſigung nie mehr zu Schulden kom⸗ men laſſen!

Das Mädchen ſah ihn mit einem wehmüthigen Blicke an, in demſelben Momente traf ſie das Auge des Adepten, und ſie ſprach: Ich weiß, daß Ihr mich liebt, ich werde nie daran zweifeln, und mich ſtets in dieſem Gefühle das unglücklichſte Geſchöpf auf der ganzen Erde dünken!

Der Sinn dieſer Antwort ſtand mit dem Aus⸗ drucke ihres Antlitzes in einem auffallenden Wider⸗ ſpruche, daß der Ritter erſtaunt rief: Was iſt das? Mädchen! hab ich es doch heute zum erſten Mal er⸗ lebt, ein ſüßes, freudiges Wort von faſt weinender Stimme zu hören, und mit einem Antlitze begleitet zu ſehen, welches tiefe Trauer beurkundet

Wie könnt Ihr nur mit weiblichen Grillen rech⸗ ten, nahm jetzt Medardus das Wort, Ihr wißt am beſten, wie wenig bei ihnen ein mürriſch Geſicht in Anſchlag gebracht werden darf; wolltet Ihr mich wohl in den Thurm geleiten? ich habe Euch mehrere Mit⸗ theilungen zu machen.

Indeſſen war die Nacht herangerückt, und mit ihr ein fürchterliches Wetter, eben ſo wie damahls,