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Waldfräulein oder Ritter und Adept : romantische Sage der Vorzeit / von Eduard Breier
Entstehung
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ich will thun, was Ihr begehrt! Medardus Lippen umſpielte ein triumphirendes Lächeln, er kehrte zu ihr zurück und ſprach mit gedämpfter Stimme: Du mußt nicht eigenſinnig ſein, Mädchen! Du weißt, das ich ſtets Dein Wohl beſonders berückſichtigte; glaube mir ſicher: auf dem Schrattenſtein blüht Dir kein Glück mehr, Du mußt wieder in die Ferne; dort werden ſich Dir neue Arme, neue Herzen öffnen! Du fliehſt alſo mit mir?

Ja! ſprach Liana, ich fliehe; Ihr habt es be⸗ ſchloſſen, mich aus den Armen meines Glückes zu reißen; wohlan! ich bin in Euerer Macht, ich muß Euch gehorchen!

Medardus faßte ihre Hand, und ſagte frömmelnd mild: So muß meine Liana ſprechen, ſo iſt ſie würdig die Stelle meines Kindes zu vertreten!

In dem nämlichen Augenblicke vernahm man vom Hofe herauf ein ſtarkes Geräuſch. Ritter Linzer mit einer Schaar ſeiner Dienſtmannen kehrte von dem Spähritte heim, und trat bald darauf zu Lianen ins Gemach. Der Adept, ſobald er ihn heraufkom⸗ men hörte, ging auf Liana zu, und ſprach raſch: Wehe Dir, wenn Du nur durch eine Miene verräthſt, was zwiſchen uns Beiden vorgefallen. Darauf wandte er ſich der Thüre zu, und Linzer trat ein. Seine Miene, als er Liana erblickte, erheiterte ſich merklich, 20