Druckschrift 
Waldfräulein oder Ritter und Adept : romantische Sage der Vorzeit / von Eduard Breier
Entstehung
Einzelbild herunterladen

16

det Ihr mir, frommer Vater, doch ſchon abgemerkt haben? Mein ſchönes Mägdlein, ſprach ich zu ihr, Du begegneſt mir jetzt zum öfterſten, und ſiehſt mich mit Deinen Blauäuglein immer wie eine Taube an, die nach dem Männchen ſpitzt, was ſoll das bedeuten? Die Rede war klug und verſtändig, die Dirne ſtieß einen tiefen Seufzer aus, und zog ihre beiden Schul⸗ tern in die Höhe, ſeht Ihr, ſo hat ſie's ge⸗ macht; ſie wollte wahrſcheinlich ſagen: Sie wiſſe es nicht! aber ich half Ihr gleich aus dem Traume, indem ich fortfuhr: Biſt Du noch ledigen Standes? Sie nickte bejahend! Wo zu Hauſe? fragte ich wieder. Jetzt öffnete ſie ihre roſigen Lippen und ſprach: Aus dem Walde! während ſie zugleich auf dieſe Gegend hieher deutete.

Da ſind wir alſo Landsleute! fuhr ich fort, aber ſie verneinte dieß. Ich äußerte meine Zweifel über den Widerſpruch und ſie verſetzte: Wenn ich jetzt in jener Gegend zu Hauſe bin, muß ich deswegen auch dort geboren ſein? Ich verſtand ſie, ſie war wahr⸗ ſcheinlich in der Steiermark zur Welt gekommen, und hauſte nun mit den Ihrigen im Walde; muthmaßlich ein Fräulein, das Kind eines Edelherrn, was ihr feines Weſen, ihre kleinen Händchen und Füße, das zarte Fell, wie von einem ſchneeigen Kaninchen, und überhaupt ihre ganze Geſtalt verriethen. Ich ſchmun⸗

ze

u