———
177
Sie bedeckte die Augen mit den Händen, und ließ den Kopf auf das kleine Tiſchchen nieder, an dem ſie ſaß.
Eine Fluth von Gedanken wogte durch ihren Kopf; ſie hatte die erſte, die heiligſte Blüthe des Frauenlebens einem ungeliebten Manne opfern müſſen, obwohl vom tiefen Weh durchdrungen, that ſie es dennoch, weil es die Pflicht erheiſchte. Kaum hatte ſie es gelernt, ſich in dieß Joch zu fügen, ſo ſtarb der Gatte, ein neuer Schlag! Obwohl ſie ihn nicht geliebt, obwohl Jugendroſen ihre Wangen noch in vollſter Blüthe zierten, ſo drückte ſie doch der Gedanke: daß ſie nun Witfrau ſei, darnieder; der Menſch reißt ſich immer ſchwer aus einer gewohnten Lage, wenn ihn auch eine andere, angenehmere— erwartet; ich ſah ſogar Verbrecher aus ihrem langjährigen Ker⸗ ker, obwohl die Freiheit ihnen winkte, dennoch mit Thränen der Rührung ſcheiden.— Doch die junge Witwe fügte ſich auch in die einſame, ſchutzloſe Lage, und wurde ruhiger; da ſchlug ihre Stunde, der ge⸗ ſchloſſene Buſen öffnete ſich dem vom Himmel fallen⸗ den Thautropfen der Liebe, das Bild eines Mannes ſpiegelte ſich glänzend aus demſelben wieder, die Lei⸗ denſchaft wuchs um ſo ſchneller an, je länger ſie bis⸗ her geſäumt hatte, gerade ſo, wie uns die Sonne glü⸗


