Teil eines Werkes 
1. Bd. (1848)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

126 finde, daß Du übel deuteſt, was ein ganz gewöhnli⸗ cher Vorfall ſein kann.

Erkönnte es ſein, aber er iſt es nicht! Die allge⸗ meine Stimme hat ſich bereits entſchieden. Eine ver⸗ mummte Frau ſucht einen jungen Mann auf; wie man hört, war ſie zuerſt in ſeiner eigenen Wohnung, als ſie aber dieſe geſchloſſen fand, ging ſie zu Eßman, auch hier fand ſie ihn nicht, und kam erſt nach vielem Nachfragen in unſer Haus. Es lag ihr alſo viel daran, ihn zu ſprechen, es mußte auch ein wichtiger Grund ſein, der ſie dazu bewog, vielleicht eine unvorhergeſe⸗ hene Nachricht, vielleicht auch Mißtrauen, und erwa⸗ chende Eiferſucht. Dein abermaliges Erröthen, unglück⸗ liches Weib, beſtätiget meine frühere Meinung voll⸗ kommen. Du liebſt ihn alſo wirklich, den liſtigen Heuch⸗ ler, den ein unſeliger Zufall hieher führte, um meine ſchönſten Pläne zu zerſtören; er hat Dein Herz be⸗

thört, eben ſo, wie er es bei den Männern, bei jener

Dame, und wer weiß, wo ſonſt noch, gethan. O daß ihm der Himmel die herrliche Geſtalt verleihen mußte, er gebraucht ſie nur, um die Menſchen zu beſtechen, um ſie ſeinen Wünſchen geneigt zu machen.

Jedes dieſer Worte war ein Dolchſtich in Mit⸗ jam's Bruſt, ein zweiſchneidig Schwert, welches, ſo ſchien es ihr, alle Faſern ihres Lebens zerſchnitt.