Teil eines Werkes 
1. Bd. (1848)
Entstehung
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Weil Du mir krank ſcheinſt.

Ich fühle mich vollkommen wohl.

Dein Anſehen widerſpricht dem. Du biſt blaß, verſtört

Nicht immer darf man vom Antlitz auf's In⸗ nere ſchließen.

O Du irrſt Dich, Schweſter! dieſer Spiegel trügt ſelten; jetzt möcht' ich es ſogar behaupten, daß Du krank ſeieſt.

Mirjam bemühte ſich zu lächeln und verſetzte: Wenn Du Dich ſelbſt täuſchen willſt, ſo muß ich nachgeben.

Du warſt früher ganz anders; fröhlich, mun⸗ ter, blühend, geſprächig, jetzt findet das Gegentheil ſtatt; und zwar iſt die Veränderung erſt ſeit Kur⸗ zem, ſeit einigen Tagen eingetreten.

Ich wiederhole Dir nochmals, daß ich vollkom⸗ men geſund bin!

Gut, wenn Du kein körperliches Leiden fühlſt, ſo muß es alſo ein geiſtiges ſein; Du haſt heimlichen Kummer!

Die Witwe erröthete wirklich und wendete ihr Antlitz vom Bruder ab, darauf ſprach ſie:

Kummer iſt oft beſſer als laute Freude, auch bei verdrießlichem Antlitz kann das Gemüth ruhig ſein!