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bin mit meiner Urſula ſchon ſo viel als verehelicht, bin alſo ein kerngeſunder Bräutigam, und wenn man einen ſolchen auf malefikantiſche Weiſe um ſein Bischen Leben bringt, ſo mordet man in ſeiner Perſon auch ſeine ganze Nachkommenſchaft, und wer mich jetzt ab⸗ kehlt, bringt die Welt mindeſtens um ein Duzend junger Zwickler und Zwicklerinnen, deren Verluſt nicht ſo leicht erſetzt werden kann. Wißt Ihr, wen ich vor einer halben Stunde geſehen habe? rathet ein Mal, Junker!
Doch nicht die Alte?— fiel der Junker ein.
O nein! entgegnete Kajetan raſch, die hätte mir auch keinen ſolchen Schrecken verurſacht; aber der Schuft, der Strolch, der lumpige Bettler war's—
Wie? der Bettler? fuhr ihn Siegfried raſch an.
Ja, der Schelm trat mir entgegen, ſah mich an, und ging an mir vorüber, ſo mir nichts dir nichts, als ob er zum hieſigen Stadtrath gehörte.
Und wo habt Ihr ihn geſehen?—
Draußen in der Vorſtadt, in der Nähe der Wein⸗ ſtube zum Maſtbaume.
Um welche Zeit? fragte der Junker weiter.
Gerade vor einer halben Stunde; die Glocken ſchlugen eben Eins, und das war es, was mir eigent⸗ lich in die Beine fuhr.
Siegfried ſprach: Ihr werdet Euch wohl geirrt haben? um dieſe Zeit könnt Ihr ihn nicht geſehen haben!


