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ihm ſeine Beute entgangen, trat jetzt ſeinen Rückweg an. Die Glocken verkündeten eben das zweite Viertel⸗ nach Ein Uhr; gedankenvoll ſchritt er vorwärts. Ohne eigentlich eine beſtimmte Richtung einzuſchlagen, über⸗ ließ er ſich dem Zufalle, ſeine Sinne waren nach dem Entflohenen gerichtet; wer mochte es ſein? Jetzt, da er ſeiner Nähe entrückt war, jetzt begann die Neu⸗ gierde nach dem Räthſelhaften wach zu werden, jetzt bereute er es, ihn, der ihm ſo oft gegenüber geſtan⸗ den war, nicht angehalten und zum Entlarven ge⸗ zwungen zu haben, denn jetzt ward es ihm ſchier zur Gewißheit, daß hinter der häßlichen Verpuppung Jemand ſtecken mußte, der ein Abſehen auf ihn hatte; und wer konnte dieß anders, als ſein Verfolger, ſein Stiefvater, ſein? Unmuthig über das Mißlingen, zum Theil wieder froh, den Bedrohlichen wieder fern zu wiſſen, war er fortgeeilt, als er ſich plötzlich am Arm ergriffen fühlte. Es war Kajetan, der ſich in eine Fluth von Reden ergoß: Dem heiligen Barnabas ſei Dank! daß ich Euch, Herr Junker! wieder finde; ich habe Todesangſt ausgeſtanden!
Um mich? fragte der erſtaunte Junker.
Um Euch! Ja! Aber auch um meine Wenigkeit. Ach, Junker Siegfried! die heutige Nacht bringt mich um mein junges Leben, und mordet in mir, wer weiß wie viele Menſchen noch, denn Ihr wißt, ich
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