Teil eines Werkes 
1. Bd. (1848)
Entstehung
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Bosheit jenes Fremden zu haben, der ſich unter der Maske eines Arztes im Schloße befindet. Ihr waret ſo gütig gegen mich, habt mich, in die Tiefen einer treuen, edlen Seele blicken laſſen, o, nehmt Ihr Euch meiner an, daß ich dem Fremden nicht ausgeliefert werde, denn bei Gott! er hat kein Recht auf mich.

Wer ſeid Ihr alſo? fragte der junge Graf ge⸗ ſpannt, die beſchämende Täuſchung noch nicht ahnend.

Ich bin ein Jüngling, wie Ihr, erwiederte jetzt Siegfried aber unglücklich, verſtoßen, ver⸗ höhnt und verfolgt; verloren, wenn Ihr mir Euren Beiſtand verſagt!

Ein eiskalter Froſt durchrieſelte Friedrich's Körper, es war ihm zu Muthe, wie dem Erhitzten, der plötzlich in ein Bergwaſſer ſtürzt.

Der verkappte Jüngling ahnete den Zuſtand ſeiner Seele und ſank ihm zu Füßen. O, zürnt mir nicht! rief er, die Hände emporringend, ich bin unſchuldig an Allem, was vorgegangen; macht meinen ſchönen Glauben an Euer edles Herz nicht wanken Ihr werdet dem verfolgten Jüngling das nicht verſagen, was Ihr dem Mädchen ſo freiwillig geboten hättet.

Der junge Graf rang nach einem Entſchluße; er bekämpfte das ſich erhebende Gefühl der Schaam, dem ſo leicht die Härte gefolgt wäre, und ließ dem Mitleid die Oberhand. Ihr habt uns Alle getäuſcht,