176 meine Maria? fragte Hemma beſorgt— iſt dir unwohl? ich werde dir den Gürtel öffnen—
Um's Himmelswillen nicht! bat dieſe verlegen,— mir iſt ganz wohl, ich empfand nur die ſüße Wonne, ein Schweſterherz gefunden zu haben.
Ja, meine Schweſter, meine gute, liebe Schweſter ſollſt du von nun ſein; mit dieſem Kuß weihe ich dich auf ewig hiezu! Ein Kuß brannte, ehe ſie es wehren konnte, auf Marien's Lippen, die jungfräuliche Gluth zuckte wie ein Blitz durch ihre Adern, das Blut begann zu wallen.
Hemma! rief ſie wärmer wie ſonſt und preßte das Fräulein an ſich,— du biſt ſo gut, ſo rein und heilig, wie die Flamme, die aus den Wolken zuckt! O, möchte ſich dieſer Glanz deines Herzens doch nie verlieren!
Ach, Maria! klagte die Freundinn— ich fürchte, er hat ſich ſchon verloren; ich glaube, es iſt in meinem Innern nicht mehr ſo, wie ehedem. Haſt du es noch nicht wahrgenommen, liebe Schweſter, daß ich ſeit ei⸗ niger Zeit jene Freudigkeit verloren, jene übermüthige Laune, wie ſie mir von jeher eigen geweſen? Ich kann nimmer ſo recht vom Herzen fröhlich ſein, ich vermag es nimmer, ſo ſorgenlos in die Zukunft zu ſchauen; ein unbekanntes Etwas iſt in mir erwacht, welches mich meiner Ruhe, meiner Zufriedenheit beraubt; eine Be⸗


