Teil eines Werkes 
1. Bd. (1848)
Entstehung
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Hilfe vermag da zu retten, zu überweiſen; ſie iſt es, welche die Herzen aus der Nacht der Finſterniß auf⸗ jagt, ſie iſt es, welche den geſunkenen Glauben wieder empor richtet, ihn jedoch nur zu oft in Aberglau⸗ ben ausarten läßt!

Und dieß war in jener Nacht, in einer am Ende des Marktes Cirknitz gelegenen Hütte, der Fall. Die Vorderſtube derſelben, von einer Lampe ſpärlich erleuchtet, bot einen herzzerreißenden Anblick dar. Auf einem Lager, das zwar arm, doch ſehr reinlich zu nennen war, lag ein weibliches Weſen, ein Mädchen welches kaum die Grenzjahre der Jungfrau über⸗ ſchritten haben konnte; fünfzehn Frühlinge mochte die Arme zählen, ihr Leben war kaum zur Knoſpe ge⸗ diehen, die ſich erſt zur Roſe entfalten ſollte, und nun lag ſie ſchon da, todtkrank, blaß, ſiech, den Stachel des Todes im Herzen; wer ſollte ſie erretten, wer befreien aus den Händen des unerbittlichen Schnitters, welcher hier die Frucht mäht, um die Leichenfelder be⸗ ſäen zu können? Neben dem Lager der Jungfrau ſaß händeringend und jammernd eine Matrone; ſie ſchien bald den leiſen Athemzügen des einzigen Kindes zu horchen, bald wieder von Verzweiflung übermannt, erfaßte ſie der Kranken Hand, und brach in laute Slagen aus, die einzig und allein die Todesſtille un⸗ terbrachen; denn der am Fenſter ſitzende Mann, der