Die Stimme klang ſo einfach und beſcheiden, da⸗ bei aber ſo milde und wohllautend, daß ſich Paula davon unwillkürlich angeſprochen und das Bedürfniß fühlte, auch das Antlitz ihrer Nebenbuhlerin zu ſehen. Sie ging raſch nach dem Glockenzug und ſchellte nach Licht. Dann gab ſie Hanne freundlich die Verſicherung, er habe ſich entfernt.
„Ich habe einige Worte mit Ihnen allein zu ſprechen“, fügte ſie hinzu. „Mit mir, gnädige Frau?“ fragte Hanne ver⸗ wundert. Es war ihr nun nicht länger zweifelhaft, daß die Gräfin von ihrer Geſchicklichkeit in Näharbeiten gehört und ſie deßhalb habe rufen laſſen. 1 Indeſſen brachte der Diener eine Lampe. Paula antwortete nicht, ſie war ſo ſehr in Hanne's Anblick
verſunken, daß dieſe verlegen vor dem prüfenden Blick die Augen ſenkte. Faſt widerwillig mußte Paula ſich geſtehen, daß Hermann's Frau ſchön ſei; erſt regte ſich der Neid in ihr, aber ſogleich verjagte ihn das Mitleid, das der weiche, ſeelenvolle Zug in dieſem ſanften Ge⸗ ſicht erweckte, und das noch wuchs bei dem Gedanken an das Leid, das ſie der armen Frau zu bereiten im atn Begriff ſtand. Aber mit Gewalt riß ſie ſich auf, ſie durfte nicht weich werden, durfte nicht nachgeben, die


