152 ſchrocken.„Aber mein Gott, was iſt denn ge⸗ ſchehen?“
„Geſchehen. Ich wüßte nicht, daß etwas geſchehen wäre“, beruhigte ſie der Diener,„die Frau Gräfin will Ihnen etwas mittheilen;— vielleicht ein Auftrag“, ſetzte er hinzu,„der Kleine hat der Frau Gräfin ſehr gefallen.“
Hanne wußte nicht wie ihr geſchah, ſie bejahte nur ſtumm, als ihr der Diener auf die Seele band, ja gleich zu kommen, und ließ ihn gehen, ohne ſich bis dahin auch nur zu regen. Jetzt, da die Thüre wieder geſchloſſen war, brach die Blinde das Schweigen.
„'s iſt doch ſonderbar“, ſagte ſie,„erſt ſagt der Fritz, er käme gleich, und nun ſollſt Du auch noch hin. Das endet nicht gut, da ſteckt etwas in der Luft.“
Es war ganz daſſelbe, was Hanne ebenfalls dachte, aber da die Blinde es im boshafteſten Tone als eine giftige Bemerkung hingeworfen hatte, fühlte ſie ſich von dem Vorwurf, der für ihren Gatten darin verborgen lag, verletzt und war um ſo weniger geneigt, denſelben zuzugeben, als ſie ſich bewußt war, ihn ſelbſt einen Augenblick lang gehegt zu haben. Sie widerſprach da⸗ her, indem ſie ſich zu munterer, raſcher Sprechweiſe zwang.


