Teil eines Werkes 
[1.] (1873)
Entstehung
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wenigſtens einſehe. Ihre Tochter ſchwieg und arbei tete emſig weiter.

Nach einer Weile, während welcher außer den durcheinandertönenden Pendelſchlägen nur das eigen⸗ thümliche Geräuſch hörbar wurde, welches das Durch⸗ ziehen des Fadens beim Nähen verurſacht, begann die Blinde wieder:

Du nähſt ja Seide. Wie kommſt Du zu dem Seidenkleid? fragte ſie, und als Hanne verneinte, es ſei nur Linnen, blieb ſie feſt bei ihrer Behauptung. Seide iſt's ich hör's am Rauſchen.

Nein, es wird ein Hemd für Fritz. Fühlt ſelbſt, Mutter, ſagte die junge Frau und reichte der Blin⸗ den den Stoff zum Betaſten hin.Wo ſollte ich auch ein Seidenkleid hernehmen? ſetzte ſie lächelnd hinzu.

Wo Du's hernehmen ſollſt? fuhr die Alte, die ſich durch's Gefühl von ihrem Irrthum überzeugt hatte, es aber nicht wahr haben wollte, auf,woher? Er ſoll Dir's geben. Den ganzen Tag arbeiteſt Du für ihn und marterſt Dich ab und haſt keinen Dank davon. Eine Schande iſt's, ſag' ich, daß Du kein Seidenkleid haſt für den Kirchgang, wie jede ehr⸗ ſame Bürgersfrau, da müſſen Dich freilich Alle über die Achſel anſehen.

Das iſt wohl wahr, gab Hanne kleinlaut zu.