180
Wie ſie jetzt ſo leicht und lebhaft auf den Tiſch zuſchritt, mit dem aufgenommenen Ende der Schürze zugleich das kleine Blech haltend, auf dem Veſperbrod und Kaffee für die Alte in blaugeblümtem weißen Fayencegeſchirre hergerichtet war, das weiße Tuch über den Kopf geworfen und nur loſe unter dem Kinn ge⸗ ſchürzt, bot ſie zugleich Vorwurf und Modell zu dem reizendſten Genrebilde, von dem ſich jeder Beſchauer traulich angezogen fühlen mußte.
„Hier iſt der Kaffee, Mutter“, ſagte ſie mit einer wohlklingenden und munteren, nur beinahe etwas zu weichen Stimme und ſtellte das Service vor die Blinde auf den Tiſch, ſo daß dieſe es bequem mit der Hand erreichen konnte. Statt aber darnach zu langen, be⸗ merkte ſie in ſcharfem, vorwurfsvollen Tone:
„Haſt mich heute lange warten laſſen.“
Die junge Frau bat ſie freundlich, nicht böſe zu ſein.„Ich habe mich nur ein wenig bei der Arbeit verſpätet“, ſetzte ſie hinzu.„Es waren gerade Steine heiß und ich hatte noch zwei Hemden für den Herrn.“
Die Alte zuckte ungeduldig mit dem Kopfe.
„Ja freilich“, ſagte ſie,„wenn's für Deinen Mann war, dann begreif' ich's. Der ‚Herr'’ geht Allem vor. Wenn meine Wäſche hätte geplättet werden ſollen,


