173 den hingen einige alte Kupferſtiche, die durch ihre gute Ausführung ſtark von den in ſolchen Räumen gewöhn⸗ lichen Schildereien abſtachen, dazwiſchen waren noch mehrere große Pendeluhren angebracht, die mit ihrem raſcheren und ſchwereren Ticktack ein für den Unge⸗ wohnten befremdendes, aber doch nicht unangenehmes Geräuſch verurſachten, das dem Ganzen eine eigenthüm⸗ lich trauliche Stimmung gab.
Es war jetzt, einige Stunden nach der Mittags⸗ zeit, niemand in dem auffallend rein gehaltenen Zim⸗ mer, als eine alte blinde Frau, die auf dem Kanapee, und ein Knabe von etwa ſieben Jahren, der ihr ge⸗ genüber auf einem Stuhle ſaß und emſig ſchrieb. Er war ſo eifrig bei der Arbeit, daß ſein ſchöngeſchnittenes, friſches Geſichtchen, das von vollem, blonden Haar ein bischen eigenſinnig umwallt war, den Zügen der Feder folgend, allerlei komiſche Bewegungen machte, wovon er ſelber aber keine Ahnung hatte. Sein An⸗ zug war einfach, den überaus beſcheidenen Verhält⸗ niſſen angemeſſen, und unterſchied ſich im Schnitte nicht von dem ſeiner Altersgenoſſen, wohl aber in der Reinlichkeit, die dem Kinde von der Wiege aus aner⸗ zogen ſchien. Die Züge des Knaben verſchoben ſich im Eifer immer komiſcher und die Feder ging immer geräuſchvoller auf und nieder. Die Alte auf dem


