Teil eines Werkes 
4. Bd. (1875)
Entstehung
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52 tah's

219 weil Sie nicht an die Liebe glaubten, die ſich ohne

Zögern und willenlos Ihnen hingegeben.

Er erſchrak faſt, als er ſo ausgeſprochen hörte, was ſich in der Tiefe ſeiner Seele auch in dieſem Moment noch regte. Beſchämt ſchwieg er und blickte zur Erde. Aber war er denn ſo ganz im Unrecht? Und iſt mir's zu verdenken? ſprach er dann dumpf.. Ich ſoll an dies Gefühl glauben? Wie wäre es mög⸗ lich, daß Sie mit einer ſolchen Liebe im Herzen eines andern Mannes Weib werden konnten.

Ihre Hand zog ſich zurück, ihr Blick war an den Boden geheftet, und leiſe, kaum hörbar, erwiderte ſie:

Ich bin es nie geweſen.

Sein Herzſchlag ſtockte. Er blieb ſtumm. Dann ſprang er plötzlich auf.

Sittah!... ſchrie er...Mein Gott, und das Kind! Das Kind?

Ihr Auge hob ſich zu ihm, die Lippen öffneten ſich nicht, aber der Blick war ſo feſt, ſo klar, ſo ſelt ſam, dann ſenkte ſich der Kopf und die Lider deckten das Auge. Es war eine Antwort, die nicht mißver⸗ ſtanden werden konnte.

Mit einem unartikulirten Freudenſchrei ſtürzte er ihr zu Füßen, er barg ſein Haupt in ihrem Schooß, er weinte, er ſtammelte, er zog ſie an ſeine Bruſt und